
Einweihung Gerätehaus Starnberg, zum 50.Gründungsfest 19.September 1912
Sammeln, archivieren, ordnen, pflegen, sichern und bewahren, zugänglich machen, beraten, erforschen und darstellen. Diese Schlagworte umreißen die vielschichtigen und interessanten Aufgabenfelder eines Feuerwehrarchivars.
Die wichtigste, aber auch schwierigste Aufgabe ist es, eine geeignete Person für dieses Aufgabengebiet zu finden. Allein das Lesen älterer Schriftstücke in Kurrent, jener Schrift, die in Deutschland allgemein bis zum Zweiten Weltkrieg in Gebrauch war, verlangt einige Übung.
Und es sollte auch selbstverständlich sein, wenn sich jemand für diese Arbeit bereit erklärt, dass man in einer Versammlung diese Person zum Feuerwehrarchivar mittels Wahl bestätigt (Autorität).
Gleichzeitig sollten die Herren Vorstände und Kommandanten von der Wichtigkeit dieser Arbeit überzeugt werden und zur Mitarbeit und Unterstützung durch die Kreisbrandinspektion oder Verbandsführung aufgerufen werden.

Die Feuerwehr Erling beim historischen Wettbewerb September 2002
Historisches Material liegt an den verschiedensten Stellen. Bei den Feuerwehren, Landratsämtern, Staats- und Gemeindearchiven, ja bei den unterschiedlichsten Behörden, vor allem aber auch bei Privatleuten.
Beginnen sollte die Arbeit jedoch grundsätzlich in der Feuerwehr.
Diese verfügen meistens über historische Aufzeichnungen, Materialsammlungen, Bildmaterial u.a.
Insbesondere Chroniken, Festschriften, Protokollbücher, Stammlisten usw. verdienen besondere Beachtung.
Es ist auch zu informieren, dass das historische Material nicht abzugeben ist, sondern zu Kopierzwecken zur Verfügung zu stellen ist (sonst bekommen sie nichts).

Druckspritze der ehem. Feuerwehr Monatshausen (Gemeinde Tutzing)
Was soll alles archiviert werden?
Man sollte nur das archivieren, was für später von Bedeutung ist, und aus dem Kenntnis der Vergangenheit gewonnen werden kann.
Zum Beispiel:
Jahresberichte
Protokolle der Feuerwehrversammlungen
Feuerwehrzeitschriften und Broschüren
Festschriften der Feuerwehren
Feuerwehr- und Ortschroniken
Stamm, bzw. Personallisten der Führungskräfte
Ehrungen und Auszeichnungen
Inspektionen und besondere Ereignisse
Gesetz- und Rechtsverordnungen, Satzungen
Film- und Bildmaterial
Presseberichte
Die Kennzeichnung der Schriftstücke, Bücher etc. (Nummerierung) und die Anfertigung eines Archiv-Verzeichnisses ist von besonderer Wichtigkeit.

Techn. Archivbedarf - Bezugsquellen
Vormerkung:
Die Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Angaben erfolgen ohne Gewähr. Die Nennung von Herstellern und Firmen bedeutet nicht, dass diese von uns besonders empfohlen werden.
Die Literaturangaben beschränken sich auf Veröffentlichungen in denen archivische Anforderungen an Produkte enthalten sind.
Archiv-Stülpdeckel-Karton aller Größen
Fa. Koch und Deml
Dachauerstr. 233
München
T- 089/1576482
Restaurierungen aller Art
Restaurierungsarbeiten
Buchbinderei Zech und Kreis
Dachauer Str. 425
80992 München
T-089/144043
Zellulosekleister, Filmoplast, Karton und Papiere (säurefrei)
Fa. Schmedt
Ickstattstr. 3
80469 München
T-089/ 2010856
Säurefreie Papiere und Kartons
Fa. Römerturm
Alfred Nobelstr. 19
50226 Frechen
T-02234/95595-0
Archiv-Sammelmappen, Archivschutzhüllen für die Fotoarchivierung, Klebeband mit Nassgummierung, Museumskarton, Löschkarton.
Fa. Walter Klug und Co
Postfach 1341
87503 Immenstadt
T-08323/6154
Alterungsbeständige Materialien wie: Archivkarton, Archivpapiere, Aktendeckel, Materialien für die Fotoarchivierung, Polyester-Produkte.
Fa. Anton Glaser
Theodor Heuss-Str. 34 a
70174 Stuttgart
T-0711/297883

Motorspritze der Freiwillige Feuerwehr Oberalting, Hersteller Firma Paul Ludwig Baujahr 1935
Es ist wichtig, dass historisches Material sachgerecht aufbewahrt wird, nicht in Privathand, sondern in einem Schrank in einem Feuerwehrgerätehaus und zwar in Archiv-Stülpdeckel-Karton. Vermeiden sie wegen den klimatischen Schwankungen das Unterbringen von Schriftgut auf dem Dachboden oder in feuchten Kellern.
Es ist daran zu denken, inwieweit eine Restaurierung von historischen Büchern, Dokumenten etc. notwendig ist.
Es darf hingewiesen werden, dass der Einsatz von säurefreien Materialien, wie Umschlagdeckel, Plastikhüllen, hauchdünnes transparentes Spezialpapier zum unauffälligen Ausbessern eingerissener Seiten und Archivalien und vor allem säurefreies alkalisch gepuffertes Papier nach DIN 6738 für Kopierzwecke verwendet werden soll.

Einige Leitgedanken für ein Archiv
Vermeiden Sie alle für Schriftgut schädliche Einwirkungen, chemischer, biologischer und physikalischer Art.
Vermeiden Sie den ungehinderten Zugang zur Archiv-Sammlung.
Vermeiden Sie den Irrtum, mit dem Aufbau eines Archivs und den malnahmen zur Bestandserhaltung könne noch Jahre zugewartet werden.
Vermeiden Sie alle handelsüblichen Produkte, selbst solche mit der Bezeichnung "dokumentenecht, "archivgeeignet" oder ähnliches.
Nutzen Sie ausnahmslos für die Schriftgutarchivierung produzierte Papiere und Kartons, welche mindestens die ISO Norm 9706 erfüllen und außerdem keine optischen Aufheller enthalten.
Vermeiden Sie die dauerhafte Aufbewahrung von Dokumenten in Ordnern mit Metallbügel.
Vermeiden Sie Hüllen aus PVC und weichmacherhaltige oder geklebte Zeigetaschen aus unbekannten, bzw. aus nicht eigens getesteten Materialien. Nutzen Sie geschweißte Taschen oder Folien aus unbeschichteten, weichmacherfreien Polyester (z.B. Mylar D oder Melinex O, Polyroxylen etc).
Vermeiden Sie die Verwendung von normalen Büroklammern, Heftklammern, Metallecken usw.
Vermeiden Sie ungehinderte Lichteinwirkung auf Schriftträger, Tinten und Farben, weil die Energien im sichtbaren wie auch im unsichtbaren sowie Tinten und Farben ausbleichen.
Vermeiden Sie, dass wertvolle Originale allzu häufig benutzt werden, und setzen Sie diese so selten wie möglich - etwa für Ausstellungen - mögliche Schadenursachen aus.
Vermeiden Sie den Irrtum, wonach selbstklebende Signaturschilder für alle Archivmaterialien ohne Schadenfolgen verwendet werden können.
Nutzen Sie selbstklebende Etiketten, die speziell für diesen Zweck entwickelt wurden.

Schlauch- und Hydrantenwagen der Freiwilligen Feuerwehr Geisenbrunn, Baujahr 1920
Alle Chroniken und Festschriften einer Feuerwehr sind 2-fach, kostenlos an die Bay. Staatsbibliothek München und einmal kostenlos an das Kreisfeuerwehrarchiv zu geben (Pflichtabgabegesetz).
Es sollte auch angestrebt werden, dass von besonderen Schriftstücken bei den Feuerwehren eine gute Ablichtung derselben für das Kreisfeuerwehrarchiv gefertigt und zur Verfügung gestellt wird. Austausch und Information ist für alle sehr wichtig.
Es ist zwar schwierig, es sollte aber trotzdem die Aufstellung von Archivpflegern bei den Feuerwehren angestrebt werden. Auch wäre dann ein Ansprechpartner im Landkreis für den richtigen Umgang mit historischen Material, aber auch für das Aufspüren und das richtige Bewahren und deren Erfassung von historischen Gerätschaften und Fahrzeuge vorhanden. Häufig erhaltene Geräte und Fahrzeugtypen werden aufwendig restauriert, leider oft falsch, und man gaukelt einen nie da gewesenen "Originalzustand" vor.
Einmal jährlich eine Zusammenkunft der Archiv-Pfleger der Feuerwehren mit dem Kreisfeuerwehrarchivar ist sinnvoll und ausreichend.
Es bleibt zu hoffen, dass sich die Feuerwehrverantwortlichen unserer Zeit der Verantwortung für die Pflege historischen Erbes nicht entziehen.

Saug- und Druckspritze der Klosterfeuerwehr Andechs, 1882